Tevo Tarantula im Test: günstiger & kompakter 3D-Drucker für 142,91€ (EU)

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Den Tevo Tarantula gibt es aktuell mit dem Gutschein TEVOUK3 für 142,91€ bei GearBest aus dem Europäischen Warenlager!

Nach dem Anet A6  und Anet A8  hat auch der Creality CR-10 bei uns punkten können. Dieser ist zwar mit etwa 320€ doppelt so teuer wie die Anet-Varianten, hat aber ein paar starke Vorteile. So konnten u.A. die Aluminium-Profile und der Bowden-Extruder überzeugen. Auch die große Druckfläche mit 30 x 30 x 40cm ist ein fetter Pluspunkt.

Braucht man diese Druckfläche jedoch nicht, kann man mit dem Tevo Tarantula 3D-Drucker (fast) genau so glücklich werden und spart eine Menge Geld. In unserem Test zeigen wir, für wen sich der Tevo Tarantula 3D-Drucker lohnt und gehen auf alle Vor- und Nachteile ausführlich ein.

Der Tarantula basiert wie viele andere China 3D-Drucker auf der Open-Source Vorlage des RepRaps Prusa i3. Heise nennt den Tevo Tarantula sogar den „Tuning-Star unter den 3D-Druckern„. Bitte nehmt euch die Zeit und lest den Test ganz durch, um eventuelle Stolpersteine zu vermeiden. Ich würde diese Aussage zumindest in Teilen etwas einschränken.

  • Tevo Tarantula 3D-Drucker im Test: günstig & kompakt für 142,91€ (Gutschein: TEVOUK3)
    • E3D Bowden-Extruder
    • 200 x 200 x 200 mm Druckfläche
    • Aluminiumprofile als Rahmen und externes Display
    • 2 Rollen Filament liegen bei
    • Weitere Varianten:
      • Hotbed mit 200 x 280 mm
      • „Pro Metal“ Extruder für FlexFilamente
      • Dual Extruder und Dual „Pro Metal“ Extruder

Verpackung & Versand des Tevo Tarantula

Wir haben uns für den Germany Express Versand (Priority Line) bei GearBest entschieden, sodass der 3D-Drucker bereits nach 13 Tagen (inkl. Wochenende) bei uns eingetroffen ist. Keine Beschädigungen, sehr gut verpackt – so soll es sein.

Der „Tarantula“-Drucker ist sehr gut in Schaumstoff verpackt, sodass alles heil ankommt.

Insgesamt sind alle Teile über drei „Ebenen“ in einzelnen Schaumstoff-Ummantelungen verpackt. Die Pulleys z.B. sogar einzeln. Schrauben und anderer „Kleinkram“ ist in einzelnen, beschrifteten Tüten verpackt. Für jeden Bauabschnitt kann man eine Tüte öffnen. Das klingt in der Theorie sehr praktisch, war dann beim Aufbau doch allerdings ein bisschen nervig – dazu später mehr.

Sehr gut und passgenau verpackt

Wie bei den Anet 3D-Druckern muss man also, im Gegensatz zum CR-10, Zeit für den Aufbau investieren. Der Vorteil: man lernt den Aufbau und die Funktionsweise gleich kennen ;-).

Auch dieser Tevo Tarantula ist ein DIY-Kit – d.h. benötigt Zeit für den Aufbau

Zusammenbau 3D-Drucker Tevo Tarantula

Es liegt zwar eine SD-Karte bei, diese ist jedoch leer und als „Bonus“ gedacht, sodass man sich auf die englischsprachige Bedienungsanleitung verlassen muss. Schade! Gerade für Einsteiger ist es praktisch, wenn ein Haufen FAQs, Anschlusspläne und die ersten STL- und G-Code-Dateien für die ersten Drucke auf einer (micro-)SD beiliegen.

Auf der ersten Seite der Anleitung wird direkt auf eine YouTube-Aufbau-Film-Serie verwiesen – diese ist auch bitter nötig. Denn: Viele Schritte werden übersprungen, auf manche beschrifteten Tüten wird gar nicht eingegangen.

Die QR-Codes zu den Aufbauvideos bzw. Facebookgruppen. Wir haben es euch direkt verlinkt

Leider sind die Aufbau-Video-Tutorials auch nicht so gut wie bei den Anet-Varianten: Es gibt zahlreiche Versprecher, die Perspektiven sind schlecht gewählt, bei manchen Anweisungen wird nach Minuten zurückgerudert und die Aufbaureihenfolge ist gänzlich anders, als in der beigelegten Aufbauanleitung.

Schicke, aber viel zu knappe Anleitung. Immerhin: die „Tütenlösung“ ist praktisch

Während ich bei anderen 3D-Druckern vor dem Aufbau dazu geraten habe, erst einmal alle Schrauben und Einzelteile vernünftig bereitzulegen (kleine Fächer), kann man Dank der beschrifteten Tüten auch relativ unaufgeräumt starten.

Ein Berg Einzelteile – der Aufbau dauert, ist jedoch nicht sehr schwierig

Mein Tipp: benutzt beide Medien (YouTube + Aufbauanleitung parallel) und versucht einfachere Abschnitte, die einzeln, aber getrennt vom Komplettsystem, zusammenbaubar sind, zuerst abzuschließen. Dadurch wird euer Zubehörhaufen kleiner und ihr gewinnt an Sicherheit. So oder so: überfliegt vor dem Zusammenbau nach Video dieses zuerst komplett, damit ihr ggf. Anpassungen und Fehler rechtzeitig erkennt.

Weiterer Tipp: Die braunen Folien auf den Acrylteilen müssen natürlich nicht entfernt werden – für euch bzw. schönere Bilder habe ich es trotzdem gemacht ;-). Um etwas Zeit beim Abziehen zu sparen, empfehle ich euch die Teile etwa 30 Minuten in Wasser „einweichen“ zu lassen.

Acyrlteile in Wasser einlegen. Danach lässt sich die Folie einfacher abziehen

Auch wenn das DIY-Kit echt umfangreich ist, wurde leider ein Kreuzschlitz-Schraubendreher vergessen. D.h. ihr müsst für den Aufbau einen „Schraubenzieher“ aufgabeln, um z.B. am Netzteil die Klemmen festzudrehen. Klar, einen Schraubendreher sollte eigentlich jeder Haushalt haben, ich finde es nur gut, wenn der 3D-Drucker-Hersteller sagen kann: „Hey für deinen ersten Druck ist hier wirklich alles im Karton!“ Außerdem braucht ihr noch eine „Filament“-Zange (~1,70€) – ein Kabelschneider (notfalls sogar eine Schere) tut es jedoch auch.

Abschließend will ich positiv erwähnen, dass ein EU-Kabel und Ader-Endhülsen (Crimpzange benötigt) beiliegen. Zudem liegt mit der Tüte „B-6-2“ („Gift-Kits“) eine Ladung Reserve-Schrauben, Abstandshalter und Muttern bei.

(Fast) alles Nötige und Ersatzteile liegen bei.

Insgesamt hat der Aufbau – für mich als Tester von 6 anderen 3D-Druckern – etwa 4,5 Stunden gedauert. Obwohl es weniger Bauteile als z.B. beim Anet A6 gibt. Schuld daran waren die schlechten Aufbauanleitungen.

4,5 Stunden später: der Tarantula ist aufgebaut

Ich kann mir gut vorstellen, dass Einsteiger gut 1-2 Stunden mehr benötigen werden.

Typische Fehler

Falls du ein Einsteiger bist, stolperst du vielleicht über ein paar Probleme bzw. solltest vor dem Aufbau diesen Abschnitt gelesen haben ;-).

  • Die Rollen wackeln/kippeln auf den Aluminiumprofilen: Es gibt die metallenen Abstandshalter. Drehen bis die Rollen bzw. die Schlitten festsitzen.
  • Die Kabel flattern wild durch die Gegend – Kabelsalat: das ist für den Aufbau in Ordnung. Nach den ersten Drucken könnt ihr euch um das Kabelmanagement kümmern. Dafür liegen die Kabelkanäle und Schläuche bei. Leider wurden (für meinen Geschmack) 10-30 Kabelbinder zu wenig eingepackt.
  • Die Lüfter (Hotend/Board) machen Krach: Die Lüfter sind dann meist zu fest angeschraubt. Einfach die Schrauben lösen und/oder Unterlegscheiben für den nötigen Abstand nutzen.
  • Das Display zeigt „komische“ Zeichen an: Oft wurde dann das Display zu fest angeschraubt.

Der erste Druck

Da auf dem Hotbed bereits eine Folie aufgebracht ist, muss man nicht unbedingt Kreppband aufbringen – ich habe mich trotzdem dafür entschieden. Leider wurde keine Rolle Kreppband beigelegt, d.h. ihr müsstet dem nächsten 1€-Laden oder Baumarkt einen Besuch abstatten. Eine Glasplatte für extrem glatte Unterseiten, wie bei dem CR-10, ist nicht beigelegt.

Nun geht es an das Hotbed-Leveln. Das manuelle Leveln unterscheidet sich nicht im Vergleich zu anderen 3D-Druckern und erfordert etwas Zeit. ArcadEd zeigt dies im Tutorial relativ gut. Noch einmal mein Hinweis: achtet darauf, dass an allen vier Seiten zwischen Hotbed und Nozzle knapp ein Thermopapier (Quittung) durchpasst – andernfalls wird der Druck nicht funktionieren. Schaut euch unbedingt auch unseren Anet A8 Test an – dort gebe ich ein paar wichtige, allgemeine Tipps.

Wichtig – besonders bei diesem 3D-Drucker: Levelt das Hotbed nicht zuerst nach der X-Achse. Die X-Achse hängt meist etwas durch. D.h. sorgt erst dafür, das die X-Achse wirklich im 90 Grad Winkel absteht. Dies ist meist nicht der Fall, da es nur ein Gewinde für das Zurücklegen der Höhe gibt. Ist die X-Achse und das Hotbed exakt horizontal ausgerichtet, könnt ihr mit dem eigentlichen Leveln starten.

Den EU-Stecker (Achtung: Bei GearBest gibt es auch die US-Variante) in die Steckdose gesteckt und das externe Display leuchtet auf. Sehr gut.

Das erste Hochfahren: keine Probleme

Als nächstes habe ich die Option „Home“ ausgewählt, in der alle Stepper die jeweiligen Achsen in die Homestellung fahren. Dabei ist das Hotbed auf der Y-Achse in die falsche Richtung gefahren. Bevor ihr nach einer Firmwarelösung sucht, schraubt den Motor einfach auf die gegenüberliegende Halterung. Leider wird dies im Aufbaututorial falsch gezeigt.

Während ich das Filament aus der Verpackung (luftdicht verpackt, sehr gut, andernfalls könnte es brüchig werden) geholt habe, fiel mir auf: „Moment! Auf welchen Halter kann ich die Rolle aufhängen?!„. Es ist keine Filament-Halterung beigelegt. Für uns nicht wirklich störend, aber ein weiterer Punkt, warum dieses DIY-Kit kein „All-Inklusive-Paket“ ist.

Auf der anderen Seite liegt sogar ein End-Stoppper und ein Thermo-Resistor (Thermistor) für das Überwachen der Hotend-Temperatur als Ersatz bei. Diese Ersatzteile hatten wir noch in keinem anderen DIY-Kit. Und der Thermistor kann schon mal kaputt sein.

Seid ihr Fortgeschrittene 3D-Nerds und wollt statt mit der beigelegten SD-Karte direkt vom PC drucken, wird euch sicherlich das zu kurze USB-Kabel (~40cm) negativ auffallen. Allen Einsteigern empfehle ich jedoch eh erst einmal mit dem Druck übers Menü mit der (micro)SD-Karte zu beginnen. Dies reduziert die Fehlerquellen drastisch.

Also fix mit Cura eine STL gesliced und die GCODE-Datei auf die beigelegte SD-Karte kopiert. Der erste Druck verlief erstaunlich sauber. Ich weiß: Am liebsten würdet ihr gleich den ganzen Iron Man Suit auf einmal drucken, dies dauert jedoch Monate und noch viel blöder: Es lässt kein Debugging bzw. Optimieren zu. Startet bitte mit dem Calibration Cube und danach mit Benchy. Weitere Infos findet ihr in unserem Anet A8 Test.

Das erste Resultat ist besser als beim Anet A8, ähnlich wie beim Anet A6, schlechter als beim CR-10. Das ist natürlich nur das erste Out-Of-The-Box Ergebnis. Danach setzt das eigentliche Optimieren (und ggf. sogar das Drucken von Verbesserungen) statt.

Die Lautstärke war, da es nur 3 Lüfter gibt, relativ angenehm. Der Anet A8 bzw. A6 macht schon mit dem Hotend-Lüfter etwas Lärm. Aus der Wertung möchte ich das Display und das Netzteil nehmen: Diese sind frei positionierbar. Das kann gut sein, nach meinem Geschmack stört es jedoch ein bisschen, da ich gerne alles an einer Stelle habe.

Man kann die Kabel noch besser verlegen, doch auf Grund des externen Displays und Netzteil bleibt immer ein bisschen Kabelsalat übrig

Eins steht fest: Es hat schon einen Grund, warum auf den Produktfotos in allen Online-Shops nichts von dem Kabel-Wirr-Warr zu sehen ist ;-).

Typische Fehler

  • Der Extruder-Stepper „klickt“: Dein Hotbed ist vermutlich zu dicht an der Nozzle, es kann nicht genug Filament extrudiert werden, das Filament staut sich auf und der Stepper schiebt so stark nach, dass es klickt.
  • Das Display leuchtet, man sieht jedoch keine Werte: Auf der Rückseite ist ein kleines Kontrasträdchen. Dieses mit einem Schraubendreher drehen.
  • Ein Achsenmotor läuft immer weiter: Der Stopper funktioniert nicht bzw. ist nicht an der richtigen Stelle positioniert.

Nachtrag zwei Monate später: Test des „großen“ Tevo Tarantula

Nach den etwas verhaltenen Erfahrungen, gerade beim Aufbau, haben wir uns den großen TEVO Tarantula mit 200 x 280 mm Hotbed, Dual Bowden Extruder und Auto-Level-Sensor geordert.

Gleicher Aufbau, die zwei Extruder (+Stepper) fallen aber sofort auf

Mit 320€ kostet diese TEVO Tarantula Variante fast doppelt so viel – wir waren gespannt ob die Features diesen Mehrpreis rechtfertigen.

Auch hier: Sehr gute Verpackung

Letztlich deckt sich die Erfahrung beim Aufbau: Die Verpackung ist sehr gut – die Bedienungsanleitung jedoch relativ dürftig. Es ist die für den normalen Tarantula, d.h. auf den Dual-Extruder wird z.B. gar nicht eingegangen.

Läuft der 3D-Drucker jedoch erst einmal, ist das Druckergebnis ist überzeugend. Wir empfinden jedoch den Aufpreis für die gebotenen Features zu happig.

Fazit: Tevo Tarantula 3D-Drucker kaufen?

Hier gibt es kein klares „Ja!“ oder „Nein!“ für mich. Willst/kannst du:

  • nicht viel Geld ausgeben (unter 200€)
  • schnell drucken (Bowden-Extruder)
  • benötigst keine große Druckfläche (20 x 20 x 20cm)
  • scheust, auch als Einsteiger, keinen langen Aufbau

Dann ist der Tevo Tarantula etwas für dich. Die mäßige Aufbau-Anleitung und das fehlende Zubehör sind definitiv Minuspunkte, die gute Verarbeitungsqualität und letztlich das Wichtigste – das Druckbild – konnten überzeugen. Eine würdige Alternative wäre sonst der Tronxy X3 – diesen haben wir bereits auch umfangreich getestet. Willst du:

  • noch bessere Druckqualität
  • eine größere Druckfläche
  • schnell drucken
  • keine Zeit beim Aufbau verlieren

Dann nimm den Creality CR-10. Willst du:

  • die größere Community für Hilfe und Mods
  • weniger als 200€ ausgeben
  • ein anständiges Druckbild

Dann nimm den Anet A6. Willst du:

  • noch mehr Community-Support
  • noch weniger ausgeben

Dann nimm den Anet A8.

Letztlich hat jeder von euch seine eigenen Ansprüche und Forderungen – diese können (und werden) wir in den Kommentaren beantworten und somit auch den Artikel erweitern. Schießt los! 🙂