Chrome: Google geht kleinen Schritt auf Adblocker zu

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Nach heftiger Kritik lockert Google die geplanten Beschränkungen für Adblocker unter Chrome – bleibt aber weit hinter den Forderungen der Entwickler zurück.

Artikel
veröffentlicht am
13. Juni 2019, 15:15 Uhr,
Moritz Tremmel

Mehr Google, weniger Adblocker
(Bild: Leon Neal/Getty Images)

Im Streit um eine von vielen Werbe- und Trackingblockern genutzte Schnittstelle in Chrome geht Google einen kleinen Schritt auf die Anbieter und Nutzer von Adblockern zu. Die Blockierfunktion der webRequest API soll zwar weiterhin abgeschafft werden, dafür soll die neue declarativeNetRequest API mehr Elemente verarbeiten können. Allerdings bleiben die Zugeständnisse deutlich hinter den Forderungen der Adblock-Entwickler zurück.

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Statt 30.000 bis 40.000 Elemente soll die neue declarativeNetRequest API 150.000 Elemente verarbeiten. Eine deutliche Erhöhung, die allerdings weit hinter den 300.000 von Adblock Plus, AdGuard, Ghostery und Autoren von Filterlisten geforderten Elementen zurückbleibt. Zwar reicht die Erhöhung für die weitverbreitete Filterliste Easylist. Nutzer, die mehrere Listen kombinieren, dürften jedoch die 150.000 Elemente leicht ausreizen.

Kritik von Entwicklern

Neben den harten Zahlen geht es auch um Informationen und komplexere Filtermechanismen. “Mir ist das einprogrammierte Limit für Blacklists egal, da ich eine Whitelist verwende, aber ich benötige Kontextinformationen, welche die declarativeNetRequest API den Erweiterungen vorenthält”, sagte der Entwickler von Noscript, Giorgio Maone, dem Onlinemagazin Zdnet. Der Entwickler des Werbeblockers Ublock Origin, Raymond Hill, kritisiert, dass die Technik der neuen Schnittstelle dem Filtersystem von Adblock Plus ähnele und komplexere Filtermechanismen, wie sie von seinen Erweiterungen verwendet werden, nicht mehr zulasse.

“Ich denke, sie haben versucht, den Eindruck zu erwecken, als würden sie mit der Entwickler-Community zusammenarbeiten, in Wahrheit halten sie jedoch an dem fest, was sie tun wollen”, sagte Jeremy Tillman von Ghostery dem Magazin Wired. Die neue API sei an sich keine schlechte Sache, sie werde jedoch zu einer schlechten Sache, wenn sie die einzige Option sei, da sie nicht die Flexibilität wie die webRequest API biete.

Google versucht zu besänftigen

Google tritt in einem Blogeintrag Vorwürfen entgegen, das Unternehmen wolle mit der Schnittstellenänderung Adblocker – immerhin ein Risiko für das Werbegeschäft – einschränken. “Wir verhindern weder die Entwicklung von Adblockern, noch hindern wir die Nutzer daran, Werbung zu blockieren. Stattdessen möchten wir Entwicklern, einschließlich von Adblockern, helfen, Erweiterungen so zu schreiben, dass die Privatsphäre der Benutzer geschützt wird”, betonte Simeon Vincent von Google. Die webRequest API biete zwar leistungsstarke Features für Adblocker, gewähre aber auch Zugriff auf die Zugangsdaten der Nutzer, ihre Konten und ihre persönliche Daten. Seit Januar 2018 hätten 42 Prozent der schadhaften Erweiterungen die webRequest API verwendet.

Erst kürzlich hatte Vincent jedoch betont, Chrome schaffe nur die “Blockierfunktion der webRequest API mit dem Manifest V3 ab, nicht aber die komplette webRequest API”. Insofern dürften die schadhaften Erweiterungen weiterhin auf die Nutzerdaten zugreifen können, während Adblocker deutlich eingeschränkt werden.